Schloss

Dezernat 3 - Bau und Technik

Neue Straße 31
72336 Balingen

Ansprechpartnerin
Nadine Wißmann
Tel.: 07433/170-288
nadine.wissmann@balingen.de

Öffnungszeiten

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Sanierungsgebiete

Mühltorplatz

Die Bauarbeiten zur Freianlagengestaltung am Mühltorplatz haben begonnen. Nach Fertigstellung der privaten, altstadtgerechten Wohngebäude „Beim Mühltor“ können nun die Gassen und ein kleiner Quartiersplatz am Mühlkanal hergestellt werden. Der Gesamtentwurf entstammt einem von Wohnbau und Stadt Balingen gemeinschaftlich ausgelobten Planungswettbewerb.
 

Perspektive geplanter Quartiersplatz
Mühltorplatz und Altstadtgassen (Entwurf OK Landschaft, München)

Neues Wohnquartier an der Eyach

Das neue Wohnquartier ((2,956 MB)), entworfen von nbundm* Architekten aus München, liegt direkt am künftigen Gartenschaugelände. Es bindet an die bestehende Bebauung ‚Beim Mühltor‘ an und reicht bis an die Eyach, wo zwei Punkthäuser mit Ihren Doppelgiebeln die Formensprache der Klein-Venedig-Silhouette fortführen. Ein schmales Gebäude dazwischen gliedert die öffentlichen Flächen in zwei Altstadtgassen, die am Fischaufstieg des Mühlkanals in einem kleinen Quartiersplatz, dem ‚Mühltorplatz‘, münden. Die Fahrverbindung zwischen der ‚Färberstraße‘ und der ‚Herrenmühlenstraße‘ bleibt erhalten. Die Bebauung geht auf einen Architekturwettbewerb zurück, der im Jahr 2013 unter Beteiligung der interessierten Öffentlichkeit durchgeführt wurde. Am Tag der Städtebauförderung 2016 wurde die geplante Sanierung und Bebauung ‚Am Mühltor‘ als besonders beispielhaft vorgestellt.

Entwurf und Planung der Freianlagen stammen von Andreas Kicherer, Büroinhaber von OK Landschaft aus München/Waiblingen, der bereits für die Gestaltung des Kirchplatzes verantwortlich war. Die Bauleitung übernimmt Alexander Mezger, Büroinhaber des Landschaftsarchitekturbüros arbol aus Rottweil.

Fortsetzung von Klein Venedig

20 Jahre nach der Sanierung des ehemaligen Gerberviertels Klein Venedig wurde die markante Eyachsilhouette durch eine hochwertige und sensible Bebauung ergänzt. Ein kleiner Quartiersplatz am Mühlkanal komplettiert die altstadtgerechte Nachverdichtung. Nach über zweijähriger Bauzeit entstanden 22 hochwertige innerstädtische Wohnungen. Zur Wahrung des städtebaulichen Maßstabs und zur Einbindung in den typischen Gebietscharakter wurden die Wohnungen in vier Einzelgebäuden angeordnet, die in Größe, Höhe und Dachform an die Umgebung angepasst sind. Aufbauend auf den historischen Strukturen und dem Sanierungsansatz des Gebietes ‚Klein Venedig‘ entwickelt der Entwurf die kleinparzellierte städtebauliche Struktur des ehemaligen Gerberviertels an der Nahtstelle zum klassizistischen Stadtgrundriss weiter.

Mit großem Erfolg betreibt die Stadt Balingen seit 40 Jahren die städtebauliche Erneuerung ((3,6 MB)) des Stadtkerns. Die bislang durchgeführten Stadterneuerungsmaßnahmen haben maßgeblich zu einer hohen Attraktivität der Balinger Innenstadt beigetragen. Die Bebauung ‚Am Mühltor‘ mit Quartiersplatz sind für die Stadterneuerung der Stadt Balingen von besonderer Bedeutung. Nach vielen Jahren der Planung und Investorensuche konnte endlich der Lückenschluss in der Stadtsilhouette entlang der Eyach gelingen. Städtebauliche Missstände konnten behoben und das seit mehreren Jahrzehnten brachliegende und untergenutzte Areal einer sinnvollen Nachnutzung zugeführt werden.

Zeitplan und Bauablauf

Bereits im Jahr 2015 wurde mit dem Abbruch der alten Bausubstanz begonnen. Durch eine groß angelegte Grabung des Landesamtes für Denkmalpflege ruhte die Baumaßnahme für mehrere Monate bis schließlich Ende 2016 die restliche Grundstücksfreimachung erfolgen konnte. 2017/2018 wurden die privaten Wohngebäude errichtet während die Planungen für die öffentlichen Flächen vorangetrieben wurden. Am 27. November 2018 fasste der Gemeinderat den Baubeschluss ((10,547 MB)) für die Freianlagen. Nach öffentlicher Ausschreibung wurden am 26. Februar 2019 die Tiefbauarbeiten an die ortsansässige Firma Stumpp sowie die Schlosserarbeiten an die Firma Baur Metallwerkstatt aus Dotternhausen vergeben.

Die Baumaßnahme erfolgt in zwei Bauabschnitten. Mit dem Bau des südlichen Abschnitts wurde im September 2019 begonnen. Der nördliche Bereich bis zur Färberstraße kann erst dann umgestaltet werden, wenn ein weiterer geplanter Neubau auf dem Grundstück ‚Beim Mühltor 5‘ im Rohbau fertiggestellt und das Baufeld geräumt ist. Im zweiten Halbjahr 2020 wird das Sanierungsprojekt voraussichtlich abgeschlossen werden.

Große Grabungskampagne des Landesamt für Denkmalpflege

Das Baugrundstück, für dessen sensible Neubebauung im historischen Kontext „Klein Venedig“ bereits in den Jahren 2013/14 von der Wohnbau gemeinsam mit der Stadt Balingen ein Architekturwettbewerb ausgelobt wurde, befindet sich in einem historisch bedeutsamen Areal, das zum historischen Stadtkern Balingens gehört. Die alte Stadtbefestigung, die sich unter der für die Neubebauung vorgesehenen Fläche befindet, ist ausgewiesenes archäologisches Kulturdenkmal.

Durch eine Sondierungsgrabung im Juli 2015 verschafften sich die Denkmalschützer ein Bild von den zu erwartenden Funden und ordneten aufgrund der historischen Relevanz umfangreiche Rettungsgrabungen an. Zu erwarten waren Erkenntnisse zu unterschiedlichen Ausbauphasen der Stadtbefestigung, zu der in Teilen bereits 1978 abgerissenen Herrenmühle, einer ihr zugerechneten Öl-, Schleif- und Sägemühle und der zum Quartier ‚Klein Venedig‘ gehörenden Lohmühle.
 
In der neunmonatigen Grabungskampagne, deren Kosten aufgrund gesetzlicher Vorgaben durch die Wohnbau Balingen übernommen werden müssen, konnten relevante Erkenntnisse für die Geschichte der Stadt gewonnen werden. Dies gilt insbesondere für die Stadtbefestigung, aber auch für die Baugeschichte der Mühlengebäude. So wurde der Nachweis erbracht, dass die immer wieder als ‚Zwingermauer‘ angesprochene Mauer, die parallel zur Eyach verläuft, sowie ein bisher unbekannter Turm einer spätmittelalterlichen Stadterweiterungsphase zuzurechnen sind. Diese Stadterweiterung sollte den Bereich des Gerberviertels und die Mühlen sichern. Im Westen des Grabungsareals konnte erstmals die eigentliche Zwingermauer nachgewiesen werden, die vermutlich im Jahr 1672 mit der Herrenmühle überbaut wurde. Sie verlief im Bereich der Straße ‚Beim Mühltor‘ parallel zum dort bekannten Stadtmauerverlauf.

Für die Mühlengebäude selbst konnten interessante bauliche und technische Details dokumentiert werden. So ist die mehrphasige Entstehung der Lohmühle durch die Verwendung verschiedenster Baumaterialen und durch das Auffinden übereinander liegender Fußböden abzulesen. Außerdem wurden  Mahlsteinfragmente gefunden, die der Ölmühle zuzuordnen sind. Es konnten zudem technische Details der Mahlwerke dokumentiert werden.

Neben den architektonischen Hinterlassenschaften konnte auch Fundmaterial, wie Keramik-, Glas- und Metallfragmente geborgen werden. Insbesondere Randstücke, aber auch Henkel und Böden von keramischen Gefäßen lassen sich zeitlich gut einordnen und helfen somit, die Gebäude- und Befundkomplexe zeitlich einzuordnen.

Die Ergebnisse der Ausgrabung ((2,788 MB)) entsprechen aus wissenschaftlicher und heimatgeschichtlicher Sicht in hohem Maß den Erwartungen des Landesamtes für Denkmalpflege. Interessierte Bürger konnten sich am Samstag, 23. Juli 2016 bei einem Tag der offenen Tür ((847,1 KB)) über die Ergebnisse der Grabungsarbeiten informieren.  

Nach Abschluss der Grabungen konnte das Areal vereinbarungsgemäß zum 1. August 2016 der Wohnbau Balingen für den Neubau von vier hochwertigen Mehrfamilienhäusern übergeben werden. Planmäßig sollte bereits 2015 mit dem Neubau der vier Gebäude begonnen werden. Durch die Grabungen verzögerte sich der geplante Baubeginn um rund ein Jahr.

Wettbewerb

Um sowohl die städtebaulichen als auch die wohnungswirtschaftlichen Zielsetzungen bestmöglich verwirklichen zu können, wurde durch die Wohnbau gemeinsam mit der Stadt Balingen am 8. November 2013 ein nicht offener Realisierungswettbewerb ausgelobt ((5,56 MB)). Ein Architekturwettbewerb stellt die bestmögliche Qualitätssicherung hinsichtlich Funktionalität, Ökonomie, Ästhetik und Nachhaltigkeit dar und genießt aufgrund seiner fairen Wettbewerbsbedingungen und dem hohen Maß an Transparenz große Wertschätzung in der Öffentlichkeit.

Es sollten vielfältige Entwurfskonzepte für eine qualitätsvolle, maßstäbliche und gegliederte Wohnbebauung gefunden werden, die die ortsspezifische Charakteristik des Gebietes ‚Klein-Venedig‘ berücksichtigen und der städtebaulichen Bedeutung der durch Satteldächer geprägten Stadtsilhouette entlang der Eyach gerecht werden. Neben der Planung einer Wohnbebauung war die Gestaltung der umgebenden öffentlichen Platz- und Wegeflächen Bestandteil der Aufgabenstellung. Die bestehenden städtebaulichen Mängel sollten behoben, das Quartier gänzlich neu gestaltet und ein kleiner identitätsstiftender Stadtplatz geschaffen werden.

Insgesamt haben sich 71 Architekturbüros aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland für die Teilnahme beworben. Neben drei gesetzten Architekturbüros aus der Region wurden im Rahmen eines qualifizierten Auswahlverfahrens 12 weitere Wettbewerbsteilnehmer bestimmt. Nach einer zweimonatigen Bearbeitungszeit wurden schließlich 12 Arbeiten anonym eingereicht. Aus der Preisgerichtssitzung am 28. Februar 2014 ((6,068 MB)) ging das Büro ‚nbundm* Architekten BDA und Stadtplaner‘ aus München gemeinsam mit dem Büro für Landschaftsarchitektur ‚OK Landschaft‘ als Wettbewerbsgewinner hervor.

Aufbauend auf den historischen Strukturen und dem Sanierungsansatz des Gebietes ‚Klein Venedig‘ entwickelt der Entwurf die kleinparzellierte städtebauliche Struktur des ehemaligen Gerberviertels an der Nahtstelle zum klassizistischen Stadtgrundriss weiter. Sowohl die städtebauliche Maßstäblichkeit als auch die detailliert ausgearbeiteten Vorschläge zur Gestaltung des öffentlichen Raumes wurden vom Gremium ausdrücklich gelobt. Der Entwurf ((2,956 MB)) schafft eine spannende und differenzierte Abfolge gut proportionierter öffentlicher und privater Aufenthaltsräume.

Die weiteren Preise ((5,391 MB)) erhielten die Büros ‚Schlude Ströhle Richter Architekten‘ und ‚Architektur 109‘, beide aus Stuttgart. Anerkennungen wurden ausgesprochen für die Arbeiten von ‚ABMP GmbH + Co.KG‘ aus Freiburg und für ‚bogevischs buero architekten & stadtplaner‘ aus München. Alle Entwürfe waren vom 2. bis zum 5. März 2014 öffentlich ausgestellt.

Bebauungsplan und örtliche Bauvorschriften

Für den Bebauungsplan ‚Mühltorplatz‘ ((1,36 MB)) wurde am 22. Oktober 2013 der Aufstellungsbeschluss gefasst. Die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden erfolgte in der Zeit vom 11. November 2013 bis 11. Dezember 2013. Der Gemeinderat der Stadt Balingen hat am 24. Februar 2015 in öffentlicher Sitzung den auf das Wettbewerbsergebnis maßgeschneiderten und um das gesamte Quartier „Färberstraße/Neue Straße/Herrenmühlenstraße“ erweiterten Bebauungsplanentwurf sowie die örtlichen Bauvorschriften gebilligt und den Auslegungsbeschluss gefasst.  Vom 23. März 2015 bis einschließlich 23. April 2015 bestand für die Öffentlichkeit die Möglichkeit, die Unterlagen im Stadtplanungsamt und auf der Homepage der Stadt Balingen einzusehen und Anregungen vorzubringen. Rechtskraft erlangte der Bebauungsplan ‚Mühltorplatz‘  am 28. Mai 2015.

Weitere Infos

Wettbewerbspläne nbundm ((2,956 MB))

Weitere prämierte Wettbewerbsarbeiten ((5,391 MB))

Protokoll der Preisgerichtsitzung ((6,068 MB))

Auslobung zum Wettbewerb ((5,56 MB))

Ergebnisse der Ausgrabung ((2,788 MB))

Bebauungsplan Mühltorplatz ((1,36 MB))

 
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