Schloss

Streuobstkonzept der Stadt Balingen

Durch intensive Pflege und Neupflanzungen sollen die verbliebenen Streuobstbestände der Stadt Balingen erhalten bleiben

v.l. Jens Ruggaber, OB Reitemann, Holger Herter vom Bauhof, Markus Zehnder, Timo Wolf vom Bauhof und Eberhard Lohner

Entlang des Albtraufs findet sich mit rund 26.000 ha eine der größten zusammenhängenden Streuobstlandschaften Mitteleuropas. Die 1,5 Millionen Obstbäume prägen unseren Landschaftraum und erfüllen dabei wichtige ökonomische, ökologische und soziale Funktionen: Sie sind Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, Naherholungsgebiet für Jung und Alt und nicht zuletzt Ursprung herausragender Qualitätsprodukte.
 
Diese besondere Kulturlandschaft ist aber zunehmend durch Nutzungsaufgabe bedroht. Die Bewirtschaftung ist mühsam und die sinkenden Erzeugerpreise haben dazu geführt, dass das Interesse an der Fortführung des Streuobstanbaus ständig nachließ. Die verbliebenen Bestände sind demzufolge häufig überaltert und schlecht gepflegt.

Viele der Streuobstbestände können nur durch umfassende Pflegemaßnahmen und -konzepte gerettet oder erhalten werden. Der Stadt Balingen ist dies ein besonderes Anliegen, weshalb vor über sieben Jahren damit begonnen wurde, für Teile der zusammen knapp 100 ha städtischer Obstwiesen langfristige Konzepte aufzustellen und umzusetzen.
 
Bei einem Ortstermin am 17. Mai auf einer Streuobstwiese oberhalb des Friedhofes in Heselwangen stellen Jens Ruggaber vom Amt für Stadtplanung und Bauservice, Markus Zehnder, Obstbaufachberater beim Landratsamt Zollernalbkreis und Eberhard Lohner, Vorsitzender der Baum- und Fachwartevereinigung Zollernalb e.V. das Konzept der Stadt Balingen vor. Oberbürgermeister Reitemann betonte dabei die Wichtigkeit dieses Projektes für Flora und Fauna sowie für das Landschaftsbild. Er betonte auch, dass das Thema Streuobstwiesen in Balingen in die Gartenschau 2023 eingebunden werden soll.
 
Jens Ruggaber führte aus, dass alle Bäume nach Art, Alter, Zustand und Pflegeintensität in einem Plan erfasst wurden und zunächst ein 25 jähriger Pflegerhythmus festgelegt wurde. Der städtische Bauhof übernimmt die Vorbereitungen sowie die Neupflanzungen und auch die regelmäßige Bewässerung. „ Dieses Streuobstkonzept kommt auch dem städtischen Ökokonto zugute „, so Jens Ruggaber weiter.
 
Die Ausbildung von Obstbaufachwarten ist dabei eine ganz wichtige Voraussetzung, wie Markus Zehnder festhielt. „ Die neu ausgebildeten Fachwarte kommen ein bis zweimal im Jahr mit langjährigen und erfahrenen Kollegen zusammen und bearbeiten entsprechende Streuobstflächen und können so weitere Erfahrungen sammeln“ ,betonte Eberhard Lohner. In die gemeinschaftlichen Aktionen sind auch die jeweiligen Ortschaftsverwaltungen eng eingebunden und unterstützen diese tatkräftig.
 
Markus Zehnder führte aus, dass in Heselwangen erst kürzlich zwei Dutzend Neupflanzungen vorgenommen wurden. Das Besondere daran ist, dass es sich hier um alte und regionaltypische Obstsorten handelt, die es heutzutage so gut wie gar nicht mehr gibt wie z.B. die Feigen- und Speckbirne.
 
Das Streuobstkonzept bezieht sich ausschließlich auf städtische Grundstücksflächen und hat zum Ziel, den vorhandenen Bestand zu erhalten und auch notwendige Nachpflanzungen vorzunehmen. Ferner dient es der Sicherung der Artenvielfalt, wozu auch gehört, dass „ tote Bäume „ nicht entfernt werden, sondern für eine Vielzahl von Insekten erhalten bleiben.
 

 
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