Zum 25. Todestag: Ein Blick auf das Lebenswerk des ersten Balinger Oberbürgermeisters

Am 25. Dezember 1997 verstarb Balingens erster Oberbürgermeister nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren.

Albert Hagenbuch

Albert Hagenbuch führte Balingen von der Nachkriegszeit in die Neuzeit hinein. Anlässlich des 25. Todestages von Albert Hagenbuch soll daran erinnert werden, was Hagenbuch in 20 Jahren harter Arbeit zum Wohle der Stadt Balingen als Bürgermeister und Oberbürgermeister geleistet hat. Bei seiner Amtseinsetzung am 25. April 1955 als Bürgermeister von Balingen gelobte Albert Hagenbuch, alles in seiner Macht stehende für die Stadt Balingen zu tun. Ein Mann, ein Wort. Unermüdlich, selbstlos und mit einer von Weitsicht geprägten Kommunalpolitik bewältigte er die Aufgaben und Probleme der Stadt Balingen. Im Rückblick auf seine Tätigkeit führte er einmal aus: „Als ich im Jahr 1955 von Heilbronn nach Balingen gekommen bin, stand ich, wie nicht anders zu erwarten war, vor einem Berg von Aufgaben“. Hagenbuch war sich anstehenden Herausforderung durchaus bewusst.
 
Aber schon seine Vita belegt seinen ausdauernden Charakter. Er begann seine berufliche Laufbahn als Verwaltungsfachmann und ist später aber auch noch zum Wirtschaftsfachmann geworden. Albert Hagenbuch wurde am 22. März 1913 in Frankenbach bei Heilbronn geboren. Nach dem Besuch der Heilbronner Realschule absolvierte er eine fünfjährige Lehr- und Gehilfentätigkeit auf verschiedenen Rathäusern und legte im Jahr 1934 die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst an der höheren Verwaltungsschule in Stuttgart ab. Anschließend war er als Verwaltungspraktikant auf drei Landratsämtern tätig, wo er sich auf den verschiedensten Gebieten der staatlichen Selbstverwaltung und Gemeindeaufsicht betätigte. Im Jahr 1938 folgte er dem Ruf der Stadt Heilbronn, wo er an der Neuorganisation der Stadtkasse und am Neuaufbau der Krankenhausverwaltung mitwirkte. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurde er als Nachrichtenoffizier der Luftwaffe einberufen und geriet dabei in russische Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung kehrte er im Jahr 1948 wieder nach Heilbronn zurück und arbeitete in der Verwaltung der Stadtwerke. Im Jahre 1955 bewarb er sich für das Amt des Bürgermeisters in Balingen und setzte sich gegen 12 Mitbewerber durch. Er gewann die Stichwahl am 20. März 1955 mit 79 Prozent.
 
In der Nachkriegszeit kehrte in Balingen wieder etwas Wohlstand ein, jedoch hatte die Stadt Balingen mit dem Bevölkerungszuwachs zu kämpfen. Von 1946 bis 1955 stieg die Einwohneranzahl um mehr als 60 Prozent auf 10.800. Und bis 1973 verdoppelte sich die Stadt nahezu auf 19.400 Einwohner. Die Wohnungssituation musste an den Zuwachs angepasst werden. So sind 2500 Wohnungen entstanden, 68 Kilometer Straßenfläche gebaut und 50 Kilometer Wasser- und Kanalisationsleitungen verlegt worden. Auch das Schulwesen musste an die wachsenden Anforderungen angepasst werden. Von einmal 2500 Schülern stieg die Zahl auf 6000 Schüler an. Es musste zwingend Schulraum geschaffen werden. 60 Millionen Mark sind seit 1955 für Investitionen verwendet worden. Hagenbuch hat der Stadt Balingen förmlich ein neues Gesicht verliehen. Im Jahre 1973 wurde Hagenbuch anlässlich seines 60. Geburtstages und seiner großen Verdienste um die Stadt Balingen in 18 Dienstjahren als Bürgermeister der Ehrenring der Stadt Balingen verliehen.
 
Und auch das Gelingen der Gemeindereform zwischen 1971 bis 1975 ist Hagenbuchs Verdienst gewesen. Er schloss die einst selbstständigen Gemeinden im Rahmen der Eingemeindungsreform mit Engagement schlussendlich zur großen Kreisstadt Balingen zusammen. Hagenbuchs geradlinige Art und sein offenes Auftreten förderte das Vertrauen der Gemeinden und somit auch dem angestrebten Zusammenwachsen als Einheit. Als die Eingliederungen von Frommern und Weilstetten zum 1. Januar 1975 rechtskräftig wurden, hatte die Stadt Balingen mit Albert Hagenbuch erstmals einen Oberbürgermeister. Am Zenit seiner Karriere angekommen, zögerte Hagenbuch zunächst, sich nochmals bei der anstehenden Oberbürgermeisterwahl zu kandidieren. Jedoch ließ er sich überreden und verlor die Wahl dann gegen den SPD Kandidaten Dr. Eugen Fleischmann aus Stuttgart. Der aufkeimende Unmut, insbesondere in den neu hinzu gekommenen Stadtteilen, prasselte bei der Oberbürgermeisterwahl auf Albert Hagenbuch ein. Die Fortsetzung dessen, was Hagenbuch als Lebenswerk zu bezeichnen pflegte, blieb ihm untersagt. Albert Hagenbuch stolperte an seiner eigenen Integrität, die ihm als Schwäche angelastet worden war.

Hagenbuchs Verabschiedung als Oberbürgermeister erfolgte auf den Tag genau 20 Jahre nach seinem Amtsantritt am 25. April 1975. Wie Bürgermeister Erwin Kästle in seiner Ansprache mit Bedauern thematisierte, sei Hagenbuch ein Garant für ein gedeihliches Zusammenwachsen der Stadt gewesen. Jedoch wurde er Opfer, der von ihm im Interesse der Allgemeinheit bejahten und vorangetriebenen Gemeindereform. Eine bittere Tragik für Hagenbuch. Die Verleihung der Ehrenbürgerrechte am selbigen Tag ist ein schwacher Trost gewesen. Hagenbuch zeichnete sich durch menschliche Größe aus, die sich in Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Fleiß offenbarte.
 
Am 25. Dezember 1997 verstarb Balingens erster Oberbürgermeister nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 84 Jahren. Bei der Beisetzung am Silvesternachmittag resümierte der damalige Oberbürgermeister Dr. Edmund Merkel das Lebenswerk von Albert Hagenbuch: „Er hat nicht gespalten, sondern zusammengeführt“.
 
 

(Erstellt am 21. Dezember 2022)