Gemeinsam stark für Pflege

Modellprojekt wird landesweit ausgerollt - UKBW unterstützt Kommunen beim Aufbau kommunaler Netzwerke für pflegende Angehörige

Starkes Bündnis für Pflege: Die Projektbeteiligten stellten dem Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg das Modellprojekt in der Stadthalle Balingen vor: Dajana Görn-Kahlo, Fachexpertin Pflege UKBW, Heide Rath, Leiterin Pflegestützpunkt Balingen, Oliver Schuckert, Abteilungsleiter Gesundheitspolitik in der Landesvertretung DAK Gesundheit, Yvonne Erfurth, Firmenberaterin Regionalzentrum Reutlingen DRV Baden-Württemberg, Ermilio Verrengia, Bürgermeister Stadt Balingen, Helmut Reitemann, Oberbürgermeister Stadt Balingen, Ulrich Hoffmann, Sachgebietsleiter Sicherheit und Gesundheit UKBW, Tanja Hund, Geschäftsführerin UKBW, Alexander Bach, Aufsichtsperson UKBW, Ministerialdirigent Dr. Tobias Schneider, Leiter Soziales im Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, Dr. Angela Postel, Referatsleiterin Pflege im Landesministerium für Soziales, Gesundheit und Integration, Harry Jenter, Amtsleiter Familie, Bildung und Vereine Stadt Balingen, Julia Amann, Regionalzentrumsleiterin Stuttgart/Böblingen DRV Baden-Württemberg (v.l.n.r.).

Das Modellprojekt „Gemeinsam stark für Pflege!“ ist nach erfolgreichem Abschluss am Freitag, 24. Juni 2022, Vertreterinnen und Vertretern des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg in der Stadthalle Balingen vorgestellt worden. Ziel des Projektes war es, die Gesundheit pflegender Angehöriger zu schützen und durch die Integration des Präventionsgedankens zu stärken. Hierfür wurden vorhandene Strukturen und quartiersnahe Angebote für pflegende Angehörige vernetzt, sichtbar gemacht und erweitert. Das Projekt wurde von 2017 bis 2020 gemeinsam von der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW), der Stadt Balingen, der DAK Gesundheit und der Deutschen Rentenversicherung Baden-Württemberg durchgeführt. Nach erfolgreicher Evaluation durch das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, rollt die UKBW das Projekt nun landesweit aus. „Die Zukunft der Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung. Für uns als UKBW ist es wichtig, dass pflegende Angehörige gesund bleiben. Dafür bieten wir Seminare zur Weiterbildung an, aber auch die Hilfestellung vor Ort ist wichtig. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir das Projekt nun landesweit ausrollen und Kommunen in ganz Baden-Württemberg davon profitieren können,“ stellt Tanja Hund, Geschäftsführerin der UKBW, die Motivation der UKBW als Initiatorin des Projekts vor. Der gesetzliche Auftrag der UKBW umfasst neben dem Unfallversicherungsschutz auch den Gesundheitsschutz der häuslich Pflegenden. Gemeinsam mit der Stadt Balingen wurde deshalb 2017 das Modellprojekt ins Leben gerufen.Helmut Reitemann, Oberbürgermeister der Stadt Balingen: „Kommunen kommt als wohnortnahe Anlaufstelle für pflegende Angehörige eine wichtige Aufgabe zu. Ich freue mich sehr, dass wir durch das Projekt unsere Pflegeinfrastruktur in Balingen weiter modernisieren und noch leistungsfähiger machen konnten. Damit leisten wir als Kommune einen wichtigen Beitrag zur Daseinsvorsorge, Teilhabe und Lebensqualität der Bürgerinnen und Bürger. Ich danke allen Projektbeteiligten für die herausragende Zusammenarbeit – das Projekt ist für Balingen ein wahrer Gewinn.“ Manfred Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg: "Städte und Gemeinden spielen eine zentrale Rolle, wenn es um die Frage geht, wie wir Pflege organisieren. Dazu haben wir deshalb auch eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe auf den Weg gebracht, in der wir unter Federführung Baden-Württembergs die kommunale Mitverantwortung in der Pflege stärken und dabei auch kommunale Netzwerke zur Pflege voranbringen wollen. Für diese Arbeit brauchen wir Vorbilder wie Ihr Netzwerk für pflegende Angehörige in Balingen. Ich gratuliere allen Beteiligten zu diesem gelungenen Vorhaben. Auch wir als Land haben die Situation der pflegenden Angehörigen im Blick und fördern ehrenamtlich getragenen Unterstützungsangebote mit mehr als 3 Millionen Euro jährlich. Diese Angebote tragen auch zur Entlastung pflegender Angehöriger bei. Zur Stärkung der Tages- und Nachtpflege sowie der Kurzzeitpflege stellt das Land seit 2019 mehr als 11 Millionen Euro bereit." Modellprojekt Balingen setzte bei Bedarfen der Betroffenen anDurch den steigenden Pflege- und Unterstützungsbedarf werden Versorgungsstrukturen vor große Herausforderungen gestellt. In Baden-Württemberg gibt es laut statistischem Landesamt fast 472.000 pflegebedürftige Menschen – mehr als die Hälfte von ihnen, rund 261.000 Personen, werden ausschließlich von Angehörigen gepflegt. Doch wer kümmert sich um die, die pflegen? Und was sind ihre Bedarfe? Genau hier setzte das Modellprojekt an: Um mehr über die Sorgen und Wünsche pflegender Angehöriger zu erfahren, wurden persönliche Interviews geführt. Das Ergebnis: Pflegende Angehörige wünschen sich eine Anlaufstelle mit gebündelten Angeboten, niederschwellige und individuelle Betreuungsangebote, eine verstärkte Zusammenarbeit kommunaler Akteure sowie eine Vereinfachung von Abläufen. Pflege findet vor Ort statt – örtliche Akteure wurden involviertAufbauend auf den Erkenntnissen der Befragung, wurden Strukturen entwickelt, um die Bedarfe zu erfüllen. Hierzu wurden auch örtliche Akteure, wie ambulante Pflegedienste, Pflegeheime, Krankenkasse, das Zollernalb Klinikum oder der Kreisseniorenrat, einbezogen. Durch gezielte Kommunikation ist neben den Beteiligten auch die Öffentlichkeit für das Thema „Häusliche Pflege“ und die Leistung von pflegenden Angehörigen sensibilisiert worden. Ergebnisse des ModellprojektsErgebnisse reichten von wohnortnahen Kursen zur Pflegeversicherung bis hin zu verbesserten Absprachen zwischen den örtlichen Akteuren durch regemäßig stattfindende Treffen. So konnte beispielsweise das Entlassmanagement bei Pflegebedürftigen im Krankenhaus durch einen fest etablierten Austausch verbessert werden, was zur Entlastung pflegender Angehöriger beiträgt. Darüber hinaus bündelt ein neues Webangebot der Stadt Balingen alle wichtigen Angebote und Informationen für pflegende Angehörige von A wie Achtsamkeit bis Z wie Zuzahlungsbefreiung. Betroffene können sich so schnell und unkompliziert über lokale und regionale Angebote vor der Haustür informieren. Das Projekt wurde vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO wissenschaftlich begleitet. Die Evaluierung durch das Institut hat gezeigt, welchen großen Zugewinn und welche Entlastung ein kommunales Netzwerk für pflegende Angehörige in der individuellen Pflegesituation leistet. Das sagen die Projektpartnerinnen und -partner:Heide Rath, Pflegestützpunkt Zollernalbkreis – Beratungsstelle Stadt Balingen: „Wir haben in diesem Modellprojekt sektoren-übergreifendend hervorragend zusammengearbeitet. Unsere gemeinsame Expertise ist jetzt auf der städtischen Website zu finden. Auf dieses Fachwissen können die Bürgerinnen und Bürger jederzeit zugreifen, aber auch wir haben den Inhalt der Homepage in unsere Arbeit integriert.“Oliver Schuckert, Leiter Gesundheitspolitik der DAK-Gesundheit Landesvertretung Baden-Württemberg: „Es freut uns sehr, dass es uns mit dem Projekt gelungen ist, Pflegende und deren Bedarfe auf kommunaler Ebene noch stärker in den Fokus zu rücken und unterstützende Strukturen weiter auszubauen. Die offene und konstruktive Zusammenarbeit aller Projektpartner ist sicherlich beispielgebend für andere Kommunen.“Julia Amann, Leiterin Regionalzentrum Stuttgart/ Böblingen, Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg: „Wir als Deutsche Rentenversicherung haben auch die pflegenden Angehörigen im Blick: Durch die Pflegetätigkeit werden unter bestimmten Voraussetzungen für die Angehörigen Beiträge zur Rentenversicherung gezahlt. Außerdem bieten wir Leistungen zur Prävention für Versicherte an, die aktiv an ihrer Gesundheit und dem Erhalt ihrer Erwerbsfähigkeit mitarbeiten möchten. Das Netzwerk bietet die Möglichkeit, diese Leistungen bei den pflegenden Angehörigen bekannt zu machen und ihnen als Unterstützung bei ihrer wichtigen Aufgabe zu dienen.“ Von Balingen ins ganze Land: Leitfaden, Medienpaket und CoDie UKBW steht Kommunen als starker Partner zur Seite, wenn es um den Aufbau eines Netzwerks für pflegende Angehörige geht. Hierfür hat die UKBW ein umfassendes Unterstützungspaket geschnürt, mit dem Kommunen bei sich vor Ort direkt in die Umsetzung starten können. Der praxisnahe Leitfaden „Gemeinsam stark für Pflege“ bildet dabei eine zentrale Hilfestellung: „All unsere Erfahrungen aus dem Modellprojekt sind in diesen Leitfaden eingeflossen. Damit unterstützen wir Kommunen beim Aufbau eines eigenen Pflegenetzwerks vor Ort, damit pflegende Angehörige einen schnellen Zugang zu Hilfsangeboten bekommen,“ erklärt Hund. Neben dem Leitfaden stellt die UKBW begleitend ein Medienpaket zur Verfügung. Dieses enthält unter anderem eine Musterpressemitteilung und Werbematerialien, die Kommunen für die Öffentlichkeitsarbeit vor Ort verwenden können.Den Leitfaden, das Medienpaket sowie weitere Informationen gibt es unter www.ukbw.de/gemeinsam-stark-fuer-pflege