World Press Photo Ausstellung 2024

Das Rahmenprogramm - Daniel Chatard

Der Schriftzug World Press Photo in Weiß auf rotem Grund
Thomas B. Jones hält eine Kamera in der Hand und posiert vor dem Sonnenuntergang

Auch in diesem Jahr ist die World Press Photo Ausstellung wieder in der Stadthalle Balingen zu sehen. Das Rahmenprogramm findet bei uns in der Zehntscheuer statt!
Gemeinsam mit dem Zollern-Alb-Kurier schauen wir hinter die Kulissen der Fotografie und kommen mit den Akteur*innen selbst ins Gespräch. Die Gesprächsführung übernimmt dabei der Fotograf und Podcaster Thomas B. Jones aus Kirchheim / Teck, der sich wie kaum ein Anderer in Situationen der Gäste hinein versetzt und somit spannende Einblicke in deren Themen aufzeigen kann.

Alle Termine:
22. Mai Andreas Jürgensen
31. Mai Meşale Tolu
2. Juni Daniel Chatard

Sonntag, 2. Juni, 11 Uhr, Eintritt gratis und barrierefrei

Daniel Chatard

Schicksale des Braunkohletagebaus im Rheinland

Portrait von Daniel Chatard

Mehr als sechs Jahre lang hat der Fotograf Daniel Chatard den Braunkohleabbau im Rheinland und den Widerstand dagegen dokumentiert. Beim World Press Photo Award ist seine Arbeit jetzt mit dem 1. Preis in der Kategorie „Long Term Projects“ in der Region Europa ausgezeichnet worden.
 
Für die gigantischen Tagebaue im Rheinland wurden Dörfer und Wälder zerstört – was zu Widerstand geführt hat. Daniel Chatards Langzeit-Foto-Serie „Niemandsland“ beleuchtet den Konflikt dort, wo der Energiekonzern RWE die Tagebaue Hambach, Garzweiler II und Inden betreibt. Dort, wo nicht nur Felder verschwanden und Wälder abgeholzt wurden, sondern ganze Dörfer zerstört wurden. Chatard begleitete die Menschen, die umgesiedelt wurden und auch den Protest der Aktivisten, die seit 2012 gegen RWE und den Braunkohletagebau demonstrieren. Auch als 2018 der Hambacher Forst, den Aktivisten besetzt hatten, geräumt wird, ist Chatard mit der Kamera dabei.

„Die Bilder geben Einblicke in die Lebensrealität und den Alltag der Bewohner und Bewohnerinnen der betroffenen Dörfer“, schrieb das auf Fotoreportagen spezialisierte Online-Magazin „Emergie“, dessen Förderpreis Daniel Chatard bereits 2020 erhalten hatte. „Sie haben ganz unterschiedliche Formen entwickelt, mit der Umsiedlung umzugehen.“

Seinerzeit beschrieb der in Heidelberg geborene und in Hamburg lebende Fotograf auch, wie er auf das Thema gestoßen war: „Bevor ich mit dem Projekt begann, war ich noch nie im Rheinland und hatte gar keine Vorstellung von der Dimension der Tagebaue. Eine Freundin erzählte mir, dass für den Braunkohleabbau ganze Dörfer zerstört und umgesiedelt werden. Das war mir damals überhaupt nicht bewusst und ich konnte mir das in Deutschland nicht vorstellen. Ich beschloss, mir das anzuschauen – ich dachte, vielleicht finde ich eine Familie, die ich bei der Umsiedlung begleiten und deren Geschichte ich erzählen kann.“

Und Chatard gab auch Einblick in besondere Herausforderungen, die das Projekt für den Fotografen bereitgehalten hatte: „In den meisten Situationen war es kein Problem, sich an den besetzten Orten zu bewegen. Schwieriger war es bei der Räumung des Hambacher Waldes 2018, bei der die Polizei die Räumungsgebiete großflächig abgesperrt hat. Es war teilweise unmöglich, ein gutes Foto zu machen. Bei einer Protestaktion des Aktionsbündnisses ‚Ende Gelände‘ stürmte ein Polizist mit erhobenem Schlagstock auf mich zu, obwohl er mich als Journalisten erkannte. Das war aber eher eine Ausnahmesituation. In den meisten Fällen war es möglich, gut mit der Polizei zu kommunizieren und sich nicht gegenseitig bei der Arbeit zu behindern.“

Einen besonderen Fokus legte Daniel Chatard bei seiner Arbeit auf die Schicksale der Menschen, die in den entsprechenden Gebieten leben. Er sagt: „Die einzelnen Schicksale der Menschen sind sehr unterschiedlich. Viele der Umsiedler und Umsiedlerinnen möchten nach ihrem Umzug mit dem Thema abschließen. Sie wollen am neuen Wohnort auch einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Der Prozess hat sehr viel Zeit und Energie gekostet von den Verhandlungen mit RWE über die Planung bis hin zum Wiederaufbau ganzer Orte an den Umsiedlungsstandorten.“

Welche Schicksale dem Fotografen besonders im Gedächtnis geblieben sind und was er den Menschen heute wünscht, erzählt er bei einer Matinée in der Balinger Zehntscheuer.
 

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