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Dezernat 3 - Bau und Technik

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Sanierungsgebiete

Ein Jugendhaus für Balingen – Planen im Dialog

Der Gemeinderat hat in der Sitzung am 25. September 2018 den Baubeschluss für das neue Jugendhaus in der Hindenburgstraße gefasst. Bei der Gestaltung des Entwurfs von berger röcker gork aus Stuttgart haben sich mehrere hundert Schüler beteiligt. Die Stadt Balingen geht mit diesem beispielhaften Partizipationsprojekt neue Wege in der Jugendbeteiligung.

Ansicht des markanten Entwurfs von berger röcker gork

Der markante Entwurf von berger röcker gork (2,139 MB) hat sich in einer beispiellosen Kombination von Architekturwettbewerb, Jugendbeteiligung und europäischem Vergabeverfahren zuletzt gegen zwei Konkurrenten durchgesetzt.

Am Anfang standen neun Ideenskizzen

Über einen offenen europaweiten Teilnahmewettbewerb zum Neubau des Balinger Jugendhauses hatten sich insgesamt 18 Architekturbüros beworben. Zehn Bewerber wurden aufgrund streng formaler Eignungskriterien für das weitere Verfahren zugelassen.

Die Aufgabenstellung zum Jugendhausneubau wurde am 5. Februar 2018 an die Architekten ausgegeben. Darin waren die Bedürfnisse und Belange aller Beteiligten eingeflossen, insbesondere jedoch die Wünsche und Anregungen (5,39 MB) von rund 600 Schülern: Das Gebäude soll zukunftsfähig entwickelbar, breit bespielbar und vor allem auch von außen als Jugendhaus deutlich erkennbar sein. Durch mehrfach genutzte Räume sollen Flächen gespart und das Kostenbudget von rund 2 Mio. Euro gehalten werden.

Die Planer hatten knapp drei Wochen Zeit, erste Ideenskizzen zu fertigen. Neun von zehn zugelassene Büros haben am 27. Februar 2018 ihre Arbeiten eingereicht. Trotz des knappen Zeitraums haben die Planer gut durchdachte Beiträge von erstaunlicher Bearbeitungstiefe eingereicht. Ein Komitee aus Jugendlichen, Gemeinderäten, Mitarbeitern aus dem Baudezernat und dem Amt für Familie, Bildung und Vereine stand am 2. März 2018 vor der schwierigen Aufgabe, aus neun eingereichten Entwürfen die besten drei auszuwählen, um diese im weiteren Verfahren per WhatsApp-Broadcast mit rund 300 Jugendlichen zu diskutieren.

Zweistufige Online-Beteiligung

Nach der ersten online-Beteiligungs-Woche Anfang März setzte sich das Komitee am 12. März 2018 unter der Moderation von Erik Flügge zusammen, um den drei Architektenteams im direkten Dialog das erste Feedback der Jugendlichen (1,088 MB) sowie die Belange des Kinder- und Jugendbüros, des Baudezernats sowie der Fraktionsvertreter zu übermitteln. Die Planer haben daraufhin ihre Entwürfe weiterentwickelt und gemäß den Anregungen überarbeitet.

Anfang April wurden die überarbeiten Entwürfe erneut eine Woche lang online diskutiert. Dabei zeigten sich die Jugendlichen begeistert davon, dass ihre Anregungen ernsthaft und konsequent umgesetzt wurden. In über 400 interessierten und qualifizierten WhatsApp-Beiträgen wurden die weiterentwickelten Entwürfe abermals bewertet, kritisiert und mit Verbesserungsvorschlägen bedacht. Wie bereits ein Monat zuvor wurde am 9. April 2018 das zweite Feedback der Jugendlichen (2,698 MB) den Planern im persönlichen Gespräch mitgegeben.

Jugendliche bewerten Entwürfe in der Mensa

In der Abschlussveranstaltung am 4. Mai 2018 in der Mensa Längenfeld haben die drei Architektenteams ihre finalen Lösungsvorschläge vor einem Publikum aus Jugendlichen und Gemeinderäten präsentiert und erläutert. Rund 100 Jugendliche nutzten die Chance, ihre Bewertung zu den Arbeiten per Fragebogen anonym abzugeben. Die anschließende Auswertung durch das Team um Erik Flügge ergab, dass je nach Alter, Geschlecht und Schulart ganz unterschiedliche Präferenzen vorlagen:

Der Entwurf von härtner ito architekten/Atelier Härtner (2,429 MB) kam gerade bei der wichtigen Zielgruppe der 13 bis 15-Jährigen nicht so gut an. Insgesamt lag zwischen der schlechtesten und der besten Bewertung fast eine ganze Schulnote. Bei der Arbeit von Reichert.Schulze Architekten (8,319 MB) gingen die Bewertungen sogar um 1,5 Noten auseinander. Insbesondere bei den älteren Jugendlichen und jungen Volljährigen verlor der Entwurf an Zustimmung. Außerdem war bei dieser Arbeit ein großer Unterschied zwischen den Geschlechtern festzustellen. Die Bewertung der Jungen war um mehr als eine halbe Note schlechter als die der Mädchen.  

Der Entwurf von berger röcker gork architekten (2,139 MB) fand bei den Jugendlichen über die Altersgruppen und über die Geschlechter hinweg gleichermaßen viele Befürworter: Mädchen und Jungen waren sich mit nur 0,09 Noten Unterschied weitestgehend einig. Der Unterschied über die Altersgruppen betrug nur 0,27 Noten.

Abschluss des Vergabeverfahrens

Das Komitee versammelte sich letztmalig am 8. Juni 2018 unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Reitemann zum Abschluss des Vergabeverfahrens. Alle drei Büros präsentierten sich und ihre Arbeit ausführlich. Unter Berücksichtigung des Votums der Jugendlichen gab jedes Komitee-Mitglied individuell seine Bewertung ab. Im Ergebnis hat das Büro berger röcker gork architekten aus Stuttgart unter Berücksichtigung und Wertung aller Zuschlagskriterien den besten Zuschlagswert erhalten. Am 24. Juli 2018 fasste der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss zur Beauftragung des Büros berger röcker gork.

Wie gewinnt man hunderte Jugendliche für einen Beteiligungsprozess?

Der erste Kontakt zwischen Erik Flügge und den Jugendlichen hat in der sogenannten „Offline-Aktivierung“ vom 13. bis zum 17. November 2017 sattgefunden: Erik Flügge mit Team besuchte 25 Schulklassen unterschiedlicher Balinger Schulen und hielt die Wünsche der befragten Schüler mittels sogenannter „Graphic Recordings“ (12,905 MB) bildlich fest. Die Jugendlichen wurden direkt zu Ihren Wünschen und Anregungen hinsichtlich Lage, Konzeption und Ausgestaltung eines Jugendhauses befragt. Der ideale Standort sollte demnach folgende Kriterien erfüllen:

  • Nähe zu einem Supermarkt
  • Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Nähe zu Bahnhof bzw. Bushaltestelle
  • Ausreichend Abstand zu Anwohnern, um die Problematik der Ruhestörungen zu vermeiden
  • Weitläufige, öffentlich nutzbare Freianlagen
  • Innenstadt-Nähe

Ein maßgeschneidertes Beteiligungsverfahren

Inspiriert vom Planungsprozess für das neue Jugendhaus in Biberach - ein herausragendes und von der Initiative „jugend.beteiligen.jetzt“ publiziertes Beispiel erfolgreicher Jugendpartizipation - hat die eine ämterübergreifende Projektgruppe der Stadtverwaltung Balingen den Kommunikationsprofi Erik Flügge, Geschäftsführer der S&N Kommunalberatung aus Köln, mit der Moderation der Jugendbeteiligung ins Boot geholt.

Die Architektenleistung für die Planung eines Jugendhauses ist aufgrund von Vergaberechtsbestimmungen europaweit auszuschreiben (sog. VgV-Verfahren). Die Verknüpfung eines streng formalisierten Vergabeverfahrens mit einer möglichst transparenten und breit angelegten Jugendbeteiligung im Entwurfsprozess ist eine besondere Herausforderung. Zur rechtssicheren Durchführung dieses Verfahrens wurde das Büro Klotz und Partner GmbH aus Stuttgart hinzugezogen.

Das ideale Baugrundstück

Der Gemeinderat hat am 19. Dezember 2017 den Standort für das künftige Jugendhaus beschlossen: Das Grundstück in der Hindenburgstraße erfüllt die Kriterien sehr gut. Es befindet sich gleichermaßen innenstadtnah und doch ausreichend randständig, um Konflikte mit Anwohnern wegen eventueller Lärmproblematik – wie sie am bestehenden Standort vorherrschen - zu vermeiden.

Durch den Neubau des Jugendhauses und die Entwicklung attraktiver Freianlagen wird die derzeit eher unwirtliche Grünanlage an der Eyach zu einem belebten Ort mit hoher Aufenthaltsqualität. Der im Rahmen der Gartenschau geplante Aktivpark in den Eyachanlagen ist als Daueranlage nachhaltig ein Ort für Spiel und Freizeit und bietet im Zusammenspiel mit dem Jugendhaus große Chancen, wie sie an keinem anderen Standort in der Innenstadt in dieser Art vorhanden sind.

Mit der Gartenschau wird die Karlstraße als hochwertige fußläufige Verbindung von ZOB und Bahnhof mit dem geplanten neuen Vorplatz bis zu den Freianlagen an der Eyach aufgewertet. Die Anbindung von Jugendhaus zu öffentlichem Nahverkehr ist ideal. In unmittelbarer Nähe befinden sich ein Biosupermarkt an der Bahnhofstraße sowie ein Discounter direkt an der Karlstraße.

Bereits bei einem im Dezember 2016 durchgeführten Jugendworkshop im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Gartenschau 2023 wurde der Wunsch nach einem zentral gelegenen, modernen Jugendhaus im Aktivpark geäußert.

Förderprogramm „Soziale Integration im Quartier“

Durch die Aufnahme in den Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“ (SIQ) von Bund und Land mit einem Bewilligungsvolumen von insgesamt rund 30 Mio. Euro erhält die Stadt Balingen für einen Jugendhausneubau im Bereich des künftigen Aktivparks in den Eyachanlagen einen Förderzuschuss von 526.000,- Euro. Im Sinne der Fördervoraussetzungen soll ein integratives Gesamtkonzept für Jugendliche geschaffen werden. Das neue Jugendhaus soll Treffpunkt der jungen Generation Balingens und deren Umgebung werden. Jugendliche sowohl aus Balingen als auch den umliegenden Gemeinden im Umkreis von 20 km verbringen ihre Schul- und Freizeit in Balingen. Deshalb kommt der Stadt bei der aktiven Jugendarbeit eine zentrale Bedeutung zu.

Voraussetzung für eine Förderung des Jugendhausneubaus ist die Lage einem Gebiet der städtebaulichen Erneuerung. Der Gemeinderat leitete deshalb am 13. September 2017 die vorbereitenden Untersuchungen zur Ausweitung des Sanierungsgebietes um den geplanten Jugendhausstandort ein.

Jugendbeteiligung gesetzlich verankert

Bürgerbeteiligung bei öffentlichen Bauaufgaben bietet große Chancen hinsichtlich Konsens, Akzeptanz und Identifikation der Nutzer mit dem Projekt. Dies wiederum führt zu rechtssicherer Planung und zügiger Durchführbarkeit größerer Projekte. Beteiligungsverfahren dienen zur Erhebung der Bedürfnisse der Nutzergruppen, der ganzheitlichen Betrachtung von Bauaufgaben und schließlich der Konkretisierung der Entwurfsaufgabe für den Planer. Positive Erfahrungen mit Beteiligungsformen fördern insbesondere die Mitwirkungsbereitschaft an demokratischen Prozessen.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ist - ausgehend von UN-Kinderrechtskonvention und Grundgesetz - in der Baden-Württembergischen Gemeindeordnung gesetzlich verankert. Bei der Wahl des Beteiligungsverfahrens sind die geeigneten Kommunikationsformen speziell auf diese Interessensgruppe abzustellen, so dass erfolgreiche Partizipation überhaupt gelingen kann.

Verfahrensablauf und Zeitplan

Der Baubeginn ist für Herbst 2019 vorgesehen. Eine Inbetriebnahme des neuen Jugendhauses wäre bei optimalem Verlauf Ende 2020 bzw. Anfang 2021 möglich. Die Freianlagen rund um das Jugendhaus werden zusammen mit dem „Aktivpark“ im Rahmen der Gartenschau 2023 konzipiert und hergestellt. Auch hier ist Bürgerbeteiligung erwünscht. Das erste intergenerationelle Forum fand am Samstag, 20. Oktober 2018 statt.

Weitere Infos

Finaler Entwurf 1 härtner ito architekten/Atelier Härtner (2,429 MB)

Finaler Entwurf 2 berger röcker gork architekten (2,139 MB)

Finaler Entwurf 3 Reichert.Schulze Architekten (8,319 MB)


Feedback der Jugendlichen aus der 2. WhatsApp-Woche (2,698 MB)

Überarbeitung Entwurf 1 härtner ito architekten/Atelier Härtner (6,084 MB)

Überarbeitung Entwurf 2 berger röcker gork architekten (1,234 MB)

Überarbeitung Entwurf 3 Reichert.Schulze Architekten (5,574 MB)


Feedback der Jugendlichen aus der 1. WhatsApp-Woche (1,088 MB)

Entwurf 1 härtner ito architekten/Atelier Härtner (3,253 MB)

Entwurf 2 berger röcker gork architekten (3,857 MB)

Entwurf 3 Reichert.Schulze Architekten (2,241 MB)

 
Ergebnisbericht Jugendbeteiligung (5,39 MB)

Graphic Recordings (12,905 MB)

Ausgeschiedene Entwürfe (17,163 MB)

 
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