Sanierungsgebiete

Bahnhofsareal

Der neugestaltete Bahnhofsvorplatz steht kurz vor der Fertigstellung. Nachdem im vergangenen Jahr die Belagsarbeiten nach nur halbjähriger Bauzeit fertiggestellt wurden, konnten dieses Frühjahr zahlreiche Großbäume gepflanzt und die großzügigen Sitzbänke aufgestellt werden. Der autofreie Bahnhofsvorplatz, flankiert von Taxiplätzen sowie Hol- und Bring-Parkplätzen steht nun als attraktiver Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität der Öffentlichkeit zur Verfügung. Zusammen mit dem ÖPNV, zahlreichen Fahrradabstellplätzen sowie einer E-Bike-Ladestation entsteht eine moderne und nachhaltige Infrastruktur.

Bahnhofsvorplatz mit Bahnhofsgebäude
Bahnhofsvorplatz

Die Planung dieser bedeutenden Stadterneuerungsmaßnahme geht auf einen städtebaulichen Ideenwettbewerb zurück, den die Stadt Balingen bereits 2016 ausgelobt hatte. Der Entwurf von HOLZWARTH Landschaftsarchitektur mit Yellow Z (3,4 MB) setzte sich gegen 18 weitere eingereichte Wettbewerbsbeiträge durch.

Zeitplan und Bauablauf

Einstimmig fasste der Gemeinderat im September 2020 den Baubeschluss für die Umgestaltung des nördlichen Stadteingangs. Der Bahnhofsvorplatz soll bis zur Gartenschau 2023 als attraktiver Ort des Ankommens für die zahlreichen zu erwartenden Besucher fertiggestellt sein. Die Ausschreibung für die Tief- und Straßenbauarbeiten sowie die Platzgestaltung wurde im November 2020 im Staatsanzeiger veröffentlicht. Der Gemeinderat vergab die Bauleistung in seiner Sitzung am 26. Januar 2021 an die günstigste Bieterin - die Firma Storz Verkehrswegebau aus Ravensburg.

Der Bauablauf ist in mehreren Bauabschnitten vorgesehen. Begonnen wurde mit einem umfassenden Leitungsbau Mitte April 2021. Im Anschluss erfolgten die Tief- und Straßenbauarbeiten in der Bahnhofstraße auf Höhe des Bahnhofsvorplatzes. Für die Dauer von mehreren Wochen musste die Bahnhofsstraße voll gesperrt werden müssen. Während der anschließenden Arbeiten im Bereich des Bahnhofsvorplatzes konnte die Betonfahrbahn bereits wieder genutzt werden. Die Belagsarbeiten konnten schneller als geplant innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden. Im Frühjahr 2022 erfolgten Pflanzung und Möblierung. Bis zur Jahresmitte werden alle Restarbeiten erledigt sein.

Eine besondere Herausforderung sind die Abstimmungen mit den privaten Baumaßnahmen im Umfeld - dem bereits im Bau befindlichen „Neuen Württemberger Hof“ sowie dem geplanten neuen Stadthaus am Bahnhofsvorplatz.

Die südlichen Platzflächen sowie der Anschlussbereich Am Lindle können erst nach dem Bau des neuen Stadthauses, also erst nach dem Gartenschaujahr 2023, hergestellt werden. Der „Fußabdruck“ des neuen Stadthauses wird solange mit Pflanzbeeten, Einzelpflanzungen und farbenfrohen Stühlen, die Lust auf die Gartenschau machen, bestückt. Der Abbruch der alten Bahnhofsgaststätte wird zeitnah durchgeführt.

Der Bereich direkt am denkmalgeschützten Fußgängersteg zur Albrechtstraße wird aufgrund der erforderlichen umfangreichen gutachterlichen Untersuchungen der Stegkonstruktion, und der notwendigen Abstimmungen sowohl mit dem Denkmalamt, als auch insbesondere mit der Bahn hinsichtlich zukünftiger Höhenlagen im Zuge der Elektrifizierung der Bahnstrecke und der damit verbundenen Komplexität vermutlich ebenfalls erst nach dem Gartenschaujahr in Angriff genommen werden können.

Änderungen in der Verkehrsführung

Um eine verkehrliche Entlastung am Bahnhofsvorplatz zu erwirken und den Verzicht auf die Ampelanlage zu ermöglichen, ist die Karlstraße von Osten her kommend nur noch bis zum Hofraum Euronics/Lidl befahrbar. Der letzte Abschnitt der Karlstraße in Richtung Bahnhofstraße ist nun Einbahnverkehr. Eine Einfahrt aus der Bahnhofstraße in die Karlstraße ist aus beiden Fahrtrichtungen möglich.

Neues Stadthaus am Bahnhofsvorplatz

Für das geplante Stadthaus, das im Wettbewerbsentwurf als städtebaulicher Baustein zur räumlichen Fassung des Bahnhofsvorplatzes formuliert wurde, wurde von Bauherrenseite zur Sicherstellung einer hohen architektonischen Qualität eine Mehrfachbeauftragung mit regionalen Planungsbüros durchgeführt. Am 15. Juli 2021 kürte das Preisgericht den Entwurf von Architektin Nadine Preuhs von archisphäre GmbH aus Rosenfeld mit dem ersten Preis.

Der transparente Holzbau mit traditionellem Satteldach wird den künftigen Bahnhofsvorplatz durch seine einladende Offenheit prägen und beleben. Gleichermaßen bleibt er gegenüber dem historischen Kontext, insbesondere dem denkmalgeschützten Bahnhof, angenehm zurückhaltend. Der bewusste Einsatz nachhaltiger Materialien, warme Oberflächen im Inneren und konsequent dargestellte Offenheit nach außen spiegeln die Firmenphilosophie des Gastronomiebetriebs optimal wider.

Bürgerinformationsveranstaltung + Stadtplanung VOR ORT

Das Interesse der Bürgerschaft an Themen der Stadtentwicklung wächst beständig. Im Dialog mit der Bürgerschaft wurde die baulich-historische Ausgangssituation der Wettbewerbsaufgabe, die Überlegungen und Schlussfolgerungen des Preisgerichts und die Qualitäten des Siegerentwurfes transparent und nachvollziehbar erläutert und diskutiert.

Am 26. September 2017 wurde das Ergebnis des Wettbewerbs „Bahnhofsareal - Stadteingang Nord“ in öffentlicher Gemeinderatsitzung mündlich durch Herrn Prof. Dr. Ing. Franz Pesch als Vorsitzender des Preisgerichts vorgestellt. Nach intensiver Diskussion im Gemeinderat wurde der Wettbewerbsentwurf von Holzwarth Landschaftsarchitektur in Teilen überarbeitet. Gerd Holzwarth präsentierte seine überarbeitete Planung zunächst in nicht öffentlicher Sitzung am 27. Februar 2018.

In einer von Oberbürgermeister Helmut Reitemann eröffneten und moderierten Informationsveranstaltung am 21. Juni 2018 konnten sich interessierte Bürgerinnen und Bürger über die Planung zum Bahnhofsvorplatz informieren. Im Anschluss an die Fachvorträge von Baudezernent Michael Wagner, Landschaftsarchitekt Gerd Holzwarth und Prof. Dr. Pesch konnten Fragen gestellt und Meinungen ausgetauscht werden. Im Zentrum der Diskussion stand der planerische Vorschlag, durch einen zusätzlichen Baukörper den Bahnhofsvorplatz räumlich zu fassen und angemessen zu dimensionieren. Prof. Dr. Pesch, der die Stadt Balingen auch im integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK) begleitet, betonte die Bedeutung der Gestaltung und Nutzung des Gebäudes für die Belebung des Platzes. Der Preisgerichtsvorsitzende beeindruckte mit einer leidenschaftlichen Rede über Baukultur.

Das im Zuge der Neugestaltung des Hinteren Kirchplatzes entwickelte und erfolgreiche Format Stadtplanung VOR ORT (7,4 MB)“ wurde für die Planungen zum Bahnhofsvorplatz weitergeführt: Unterstützt von Baudezernent Michael Wagner stellten sich die Mitarbeiterinnen vom Amt für Stadtplanung und Bauservice am Samstag, 9. Juni 2018 auf dem Marktplatz den Fragen und Anregungen interessierter Bürgerinnen und Bürger. Anhand historischer und aktueller Fotos aus unterschiedlichsten Blickwinkeln sowie mit einem Modell wurde die weiterentwickelte Planung zum Bahnhofsvorplatz vorgestellt, erläutert und diskutiert.

Nach breiter öffentlicher Diskussion wurde am 25. September 2018 schließlich im Gemeinderat der Grundsatzbeschluss gefasst, welcher den Einstieg in die konkrete Planung ermöglichte.

Städtebaulicher Ideenwettbewerb

Aufgrund bestehender funktionaler und stadtgestalterischer Mängel im Bereich des Bahnhofsumfeldes lobte die Stadt einen Planungswettbewerb aus. Es sollten Lösungsvorschläge erarbeitet werden für die Neuordnung und Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes zu einem belebten, attraktiven Stadtraum mit Aufenthaltsqualität. Darüber hinaus sollten langfristige Entwicklungen und Perspektiven für die Neuordnung städtischer Quartiere, für eine sinnvolle Erschließung der rückwärtigen Bereiche zwischen Bahnhofstraße und Gleisanlagen sowie für die Schaffung ausreichender öffentlicher Parkierungsanlagen aufgezeigt werden. Zur barrierefreien fußläufigen Anbindung der westlich der Bahnlinie gelegenen Wohngebiete soll der unter Denkmalschutz stehende Fußgängersteg denkmalsensibel aufgewertet und mit einem Aufzug ausgestattet werden.

Wenn es darum geht, auf komplexe Fragestellungen gute planerische und gestalterische Antworten finden zu wollen, ist der Städtebauliche bzw. der Architekturwettbewerb das Mittel der Wahl. Er stellt die bestmögliche Qualitätssicherung hinsichtlich Funktionalität, Ökonomie, Ästhetik und Nachhaltigkeit dar und genießt aufgrund seiner fairen Wettbewerbsbedingungen und dem hohen Maß an Transparenz große Wertschätzung in der Öffentlichkeit.

Bahnhofsgebäude und ehemalige Bahnhofsgaststätte

Sowohl Bahnhof als auch Bahnhofsgaststätte befinden sich in Privatbesitz. Beide Eigentümer waren von Anfang an in das Wettbewerbsverfahren eingebunden.

Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude wird durch denkmalgerechte Sanierungs- und Umbaumaßnahmen durch den Eigentümer sukzessive weiterentwickelt. Die Idee eines Mobilitätszentrums mit Car-Sharing, Fahrradwerkstatt und E-Bike-Verleih sowie Fahrkartenverkaufsbüro wird abgerundet durch ein Café mit Außenterrasse, kulturellen Angeboten in der Wartehalle und einer Hotelnutzung in den Obergeschossen. Durch die Neugestaltung des Vorplatzes soll das Bahnhofsgebäude einen würdigen Auftakt und somit eine erhebliche Aufwertung erfahren.

Die ehemalige Bahnhofsgaststätte steht nicht unter Denkmalschutz. Da eine sinnvolle Folgenutzung aufgrund der schlechten Bausubstanz nicht möglich ist, wurde das Gebäude im Wettbewerb zur Disposition gestellt. Dem Entwurf von Holzwarth Landschaftsarchitektur entsprechend soll die ehemalige Bahnhofsgaststätte abgebrochen werden. Die gewonnene Fläche ermöglicht eine verbesserte Erschließung des denkmalgeschützten Steges über die Bahngleise, einen offenen und barrierefreien Zugang zum Bahnsteig und ein Freistellen des Bahnhofsgiebels nach Süden.

Zur Schaffung einer angemessenen Platzgröße ist ein Neubau auf dem Platz vorgesehen. Zusammen mit dem prägenden Bahnhofsgebäude soll der Neubau den Platz beleben und einen neuen, selbstbewussten nördlichen Stadteingang bilden. In einer Mehrfachbeauftragung regionaler Architekten soll die konkrete Gestaltung und Funktion des Neubaus festgelegt werden.

Das Wettbewerbsverfahren

Der Wettbewerb „Bahnhofsareal – Stadteingang Nord“ wurde als nichtoffener städtebaulicher Ideenwettbewerb mit Realisierungsteil nach den Richtlinien für Planungswettbewerben durchgeführt.

Am 6. Oktober 2016 wurde die Auslobung (1,6 MB) zur Wettbewerbsaufgabe unter den Mitgliedern des Preisgerichts, bestehend aus externen Fachpreisrichtern, Vertretern des Gemeinderats und der Verwaltung, ausführlich diskutiert und schließlich im Konsens verabschiedet. Bewerbungsschluss für das europaweit ausgeschriebene Verfahren war am 8. November 2016. Insgesamt haben sich 23 Büros, zum Teil auch aus dem europäischen Ausland, beworben. 22 davon haben das Auswahlverfahren erfolgreich durchlaufen. Da die Anzahl der Teilnehmer auf 20 begrenzt war, entschied am 15. November 2016 das Los.  Zusätzlich zu den so ermittelten Teilnehmern sind 6 weitere hoch qualifizierte Planungsbüros durch die Ausloberin Stadt Balingen direkt gesetzt gewesen, so dass insgesamt 26 Teilnehmer an der Ausarbeitung der Entwürfe beteiligt waren. Die Auslobung wurde am 18. November 2016 an die Teilnehmer verschickt.

Nach einer rund dreimonatigen Bearbeitungszeit wurden 19 Arbeiten in Plan und Modell fristgerecht eingereicht. In der anschließenden Vorprüfung der Arbeiten durch das Büro Kohler Grohe Architekten wurde sorgfältig abgeprüft, ob die Entwürfe den formalen und inhaltlichen Anforderungen der Auslobung entsprechen. Am Freitag, 31. März 2017 tagte das Preisgericht (1,4 MB). Die Entwürfe wurden im Gremium eingehend begutachtet und bewertet, bis sich schließlich eine Rangfolge aus Preisträgern und Anerkennungen formierte. Alle Entscheidungen wurden im Konsens getroffen, auch wenn rein formal nur rund die Hälfte der Mitglieder stimmberechtigt war. Nur so ist sichergestellt, dass ein Bauvorhaben in Politik und Bürgerschaft akzeptiert und somit auch realisiert wird. Im April 2017 waren die Wettbewerbsentwürfe zunächst in der Stadthalle und später im Rathaus-Foyer öffentlich ausgestellt.

Weitere Schritte

Für das geplante Stadthaus, das im Wettbewerbsentwurf als städtebaulicher Baustein zur räumlichen Fassung des Bahnhofsvorplatzes formuliert wurde, wird von Bauherrenseite zur Sicherstellung einer hohen architektonischen Qualität eine Mehrfachbeauftragung mit regionalen Planungsbüros durchgeführt. Nach Abschluss der Rohbau- und Fassadenarbeiten am geplanten neuen Stadthaus, kann der südliche Teil des Platzes als dritter Bauabschnitt realisiert werden.

Der Bereich direkt am denkmalgeschützten Fußgängersteg zur Albrechtstraße wird aufgrund der erforderlichen umfangreichen gutachterlichen Untersuchungen der Stegkonstruktion, und der notwendigen Abstimmungen sowohl mit dem Denkmalamt, als auch insbesondere mit der Bahn hinsichtlich zukünftiger Höhenlagen im Zuge der Elektrifizierung der Bahnstrecke und der damit verbundenen Komplexität vermutlich erst nach dem Gartenschaujahr in Angriff genommen werden können.

Parallel dazu wird das Bebauungsplanverfahren vorangetrieben, das bereits vor einigen Jahren eingeleitet wurde. Das Bebauungsplanverfahren dient der Rechtssicherheit und Rechtsklarheit. Die Bebaubarkeit, die zulässigen Nutzungen und die Grundzüge der Gestaltung werden darin verbindlich festgelegt. So können die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Verkehrsneuordnung und die Gestaltung des Bahnhofsumfeldes geschaffen werden. Grundstücksneuordnungen und öffentliche Widmungen sind auf der Grundlage des Bebauungsplanes möglich. Im Verfahren finden eine weitere Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligungen statt.

Kontinuierliche Stadtentwicklung in Balingen

Mit großem Erfolg betreibt die Stadt Balingen seit 40 Jahren die städtebauliche Erneuerung (3,6 MB) des Stadtkerns. Auf der Grundlage eines 1982 durchgeführten städtebaulichen Ideenwettbewerbes wurde die Innenstadt, die bisher von einer hohen Verkehrsbelastung und fehlender räumlicher Struktur geprägt war, umfangreich umgestaltet. Dadurch konnte der gesamte Stadtkern verkehrsberuhigt und der Bereich um den Marktplatz als zentrale Mitte gestaltet werden. Die Stadterneuerungsmaßnahmen im Bereich der Fußgängerzone fanden ihre Fortsetzung nach Norden in der Neugestaltung der Bahnhofstraße und im Süden im Bereich der Torbrücke. Bis heute werden die Ränder des vom Klassizismus geprägten Innenstadtbereich schrittweise im Rahmen der Sanierung bearbeitet.

Die Ausrichtung der Gartenschau im Jahr 2023 sowie das in den kommenden Jahren zu erarbeitende Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) bringen weitere Handlungsfelder mit sich und sorgen so für eine auf Zukunftsfähigkeit ausgerichtete Stadtentwicklung, die Balingen als attraktiven Standort für gesundes Wohnen und Arbeiten erhalten und dauerhaft weiterentwickeln wird.