Umwelt

Streuobst

Neue Frisur für die "Herzogin Elsa". Durch intensive Pflege und Neupflanzungen sollen die verbliebenen Steuobstbestände der Stadt Balingen erhalten bleiben.

ehrenamtliche Helfer bei der Baumpflegeaktion
Ehrenamtliche Helfer bei Baumpflegeaktion

Entlang des Albtraufs findet sich mit rund 26.000 ha eine der größten zusammenhängenden Streuobstlandschaften Mitteleuropas. Die 1,5 Millionen Obstbäume prägen unseren Landschaftraum und erfüllen dabei wichtige ökonomische, ökologische und soziale Funktionen: Sie sind Lebensraum für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten, Naherholungsgebiet für Jung und Alt und nicht zuletzt Ursprung herausragender Qualitätsprodukte.

Diese besondere Kulturlandschaft ist aber zunehmend durch Nutzungsaufgabe bedroht. Die Bewirtschaftung ist mühsam und die sinkenden Erzeugerpreise haben dazu geführt, dass das Interesse an der Fortführung des Streuobstanbaus ständig nachließ. Die verbliebenen Bestände sind demzufolge häufig überaltert und schlecht gepflegt.

Viele der Streuobstbestände können nur durch umfassende Pflegemaßnahmen und -konzepte gerettet oder erhalten werden. Der Stadt Balingen ist dies ein besonderes Anliegen, weshalb vor über fünfzehn Jahren damit begonnen wurde, für Teile der zusammen knapp 100 ha städtischer Obstwiesen langfristige Konzepte aufzustellen und umzusetzen.

Pflege tut not, wenn der "Schöne aus Nordhausen" und die "Herzogin Elsa" weiter gedeihen und gesunde Früchte liefern sollen. Diese klangvollen Namen tragen traditionelle Apfel- und Birnensorten der Streuobstwiesen - Wiesen mit "verstreut", also in lockerem Abstand gepflanzten, hochstämmigen Obstbäumen, die mit einer unteren Asthöhe von etwa 1,8 Meter die Bewirtschaftung der darunterliegenden Grünlandflächen ermöglichen.

So finden jährliche Pflegeaktionen unter Regie des Kreisverbandes für Obstbau, Garten & Landschaft Zollernalb e.V., des Obst- und Gartenbaufachberaters des Landratsamtes und der Stadtverwaltung statt, bei denen maßgeblich die Baum- und Fachwarte Zollernalb e.V., Mitglieder der Balinger Obst- und Gartenbauvereine sowie auch Ortschaftsräte aktiv werden. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer kümmern sich somit bislang in Heselwangen, Endingen, Engstlatt, Erzingen, Weilstetten sowie am Rand der Kernstadt um städtische Streuobstwiesen. Meist im Januar und Februar werden gemeinsam Schnittarbeiten Baum für Baum durchgeführt.

Diese ehrenamtliche Tätigkeit kommt auch dem städtischen Ökokonto zugute und wird von der Stadt gezielt unterstützt – eine Arbeitsgemeinschaft, der landesweit Vorbildfunktion zugesprochen wird. 

Mistelentfernung und Jungbaumpflanzung (Bild:BuFZ)
Mistelentfernung und Jungbaumpflanzung (Bild:BuFZ)

Neben den im Winterhalbjahr noch anstehenden Pflegeaktionen fanden im November 2025 gleich zwei zusätzliche Einsätze der Baum- und Fachwarte Zollernalb (BuFZ) auf dem Balinger Stettberg statt. Einmal die Pflanzung von 30 Apfel- und Birnenjungbäumen als Hochstamm – durchweg regionale oder besondere Sorten wie „Fraas Sommerkalvill“ und „Fässlebirne“.

Zum anderen eine erste, groß angelegte Kampagne zur Eindämmung der weit verbreiteten Laubholzmistel im Rahmen des landesweiten Pilotprojekts „Mistelentfernung auf Privatgrundstücken“ unter Federführung des „Schwäbischen Streuobstparadies“ in Bad Urach. Die Mistel ist ein immergrüner Halbschmarotzer, der seiner Wirtspflanze mit wurzelähnlichen Organen Wasser und Nährstoffe entzieht, und bei starkem Befall zum Absterben bringt. Der Bedarf für entsprechende Pflegemaßnahmen ist groß: allein an diesem Tag sind weit mehr als 50 Kubikmeter Schnittmaterial angefallen.

Weitere Infos zum Erhalt von Streuobst :

  • Streuobstförderprogramm des Landratsamtes Zollernalbkreis (Förderung von Pflege und Neupflanzungen von Obstbäumen, die Ausbildung von Fachwarten für Obst- und Gartenbau und die Aufpreisinitiative ‚ebbes Guad’s’ für Saft aus heimischem Streuobst) sowie der Mistelbekämpfung.
  • Schwäbisches Streuobstparadies“ e.V. mit interessanten Vorschlägen zur Streuobst-Erkundung  u.a. mittels kulinarischer Besonderheiten, regionaler Rad- und Wanderrouten oder verschiedener Blütenfeste sowie zur Baumpflege und Mistelbefall.