Strasser-Areal

Im Juli letzten Jahres hatte der Balinger Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss zur weiteren Vorgehensweise für eines der wichtigsten Entwicklungsgrundstücke in der Innenstadt getroffen: das Strasser-Areal an der Eyach. Der Beschluss sah vor, dass die von der Wohnbaugenossenschaft Balingen in Zusammenarbeit mit den Münchner Architekten nbundm für das Areal ausgearbeitete städtebauliche Konzeption sowie die darin enthaltene Nutzungskonzeption weiterverfolgt und weiterentwickelt werden soll. Die letzten Monate haben nunmehr jedoch gezeigt, dass das geplante Bauvorhaben mit der gewünschten „öffentlichkeitswirksamen Nutzung“ für die Balinger Bürger nicht realisiert werden kann.

Visualisierung des zukünftigen Gebäudes mit Platz

Konzeptvergabe für die zukünftige Nutzung

2024 wurde eine Konzeptvergabe im Rahmen eines zweiphasigen Investoren- und Architektenauswahlverfahren ausgeschrieben.
Der erste Platz ging an die Wohnbaugenossenschaft Balingen eG. Der Entwurf bestach neben der architektonischen Qualität mit einem nachhaltigen und für die Stadt sinnvollen Nutzungskonzept.

Das Areal sollte einen großzügigen, attraktiven und belebten städtischen Freiraum bieten. So standen von dem gesamten ehemaligen Gewerbegrundstück nur rund 2.200 m² zur Bebauung an. Die weitere Fläche sollten als öffentlicher Platz und bedeutende Zugangssituation in die Innenstadt im Eigentum der Stadt Balingen verbleiben.
   

LebensRaum Eyach-Plaza

Vorgesehen war unter anderem eine erdgeschossige Gewerbeeinrichtung mit rund 500 Quadratmeter Fläche für einen Biomarkt mit angeschlossenem Biobistro und Bäckerei. Die derzeitigen Rahmenbedingungen erlauben es der Wohnbaugenossenschaft Balingen nicht, das Projekt umzusetzen. Die Wohnbaugenossenschaft hat in den vergangenen Monaten intensiv an dem Projekt gearbeitet und zahlreiche Gespräche und Verhandlungen mit möglichen Interessenten für die Erdgeschosszonen geführt. Matthias Aigner, Geschäftsführender Vorstand der Wohnbaugenossenschaft Balingen, berichtet: „Leider müssen wir nach Monaten intensiver Gespräche feststellen, dass aufgrund der allgemeinen Baukonjunktur das Projekt derzeit für viele gewerbliche Interessenten wirtschaftlich nicht darstellbar ist. Neben einem lokalen Biomarkt wurden auch Gespräche mit einem überregionalen Biomarkt, mehreren Physiotherapien und Ärzten, sowie mit Gastronomen geführt. Leider lassen die jeweiligen Geschäftsmodelle der Gewerbetreibenden die baukonjunkturell benötigten Preise, egal ob zur Miete oder zum Kauf, nicht zu. Wir bedanken uns bei der Stadt für das in uns gesetzte Vertrauen und hätten das Projekt in unmittelbarer Nähe zu unseren bereits gebauten Stadthäusern selbstverständlich gerne umgesetzt.“ „Belastbare Interessensbekundungen haben wir lediglich von einer Steuerberatungskanzlei, allerdings nicht für das Erdgeschoss, und von Wohnungsnutzern vorliegen. Dies sieht aber das von der Jury ausgelobte Konzept nicht vor“, so Aigner weiter. Tatsächlich spiegelt die Entwicklung dieses Projektes die allgemeine aktuell angespannte Situation in der Bauwirtschaft wider. Stark gestiegene Baukosten, fehlende Fördertöpfe und eine insgesamt herausfordernde Baukonjunktur erschweren derzeit nicht nur in Balingen die Umsetzung größerer Bauprojekte.   

Visualisierungen des Entwurfs der Wohnbaugenossenschaft Balingen eG

Visualisierung mit Blick von der gegenüberliegenden Eyachseite
Visualisierung mit Blick von der Agentur für Arbeit
Visualisierung mit Blick über den künftigen Platz
Visualisierung mit Blick von der Brücke

Wie kann es weitergehen?

Die Zukunft des Strasser-Areals wurde im vergangenen Sommer in der Öffentlichkeit intensiv und teils kontrovers diskutiert. Vor diesem Hintergrund kann die Entscheidung, das Vorhaben zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit der ursprünglich angedachten Nutzungskonzeption weiterzuverfolgen, auch als Chance verstanden werden: als Möglichkeit, zusammen mit Gemeinderat und Bürgerschaft neue und alternative Nutzungen zu denken. Der städtische Gebäudebestand ist in die Jahre gekommen und mit erheblichem Sanierungsbedarf im hohen zweistelligen Millionenbereich verbunden. Daher wird es im Rahmen eines ganzheitlichen städtischen Flächen- und Immobilienmanagements künftig noch viel mehr darauf ankommen, Synergien zu erschließen und wirtschaftlich sinnvolle Nutzungen zu realisieren. Aus Sicht der Stadtverwaltung könnte vor diesem Hintergrund die Zusammenlegung öffentlicher Einrichtungen wie Mediothek, Jugendmusikschule, Volkshochschule, Wissenswerkstatt und Jugendkunstschule eine mögliche Nutzung für das Strasser Areal sein.
Sobald es konkrete Möglichkeiten der weiteren Beteiligung gibt, werden wir hier auf der Homepage, sowie in der örtlichen Presse darüber informieren. Bis dahin bitten wir um Ihre Geduld.
   

Stadtentwicklung auf dem Strasser-Areal: zeitlicher Ablauf

  • 2026
    Neustart und Klärung der zukünftigen Nutzungen zusammen mit der Bürgerschaft
  • 2024
    Konzeptausschreibung für die zukünftige Nutzung und Bebauung
  • 2023
    Das Areal wird als Plaza Teil der Balinger Gartenschau
  • 1993
    Die Stadt Balingen erwirbt das Grundstück, um es für die Innenstadt zu entwickeln
  • nach 1978
    gewerbliche Nutzung
  • 1903 bis 1978
    Schuhfabrik
  • ab 1889
    Strickwarenfabrik
      

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